Das 66. Paderborner Firmenforum

Zum 66. Mal fand am Mittwoch, dem 20. Juni, das Paderborner Firmenforum statt. Über 70 Gäste, drei, respektive vier Referenten und ein Moderator, alle aus der Wirtschaft der Domstadt Paderborn, […]

Zum 66. Mal fand am Mittwoch, dem 20. Juni, das Paderborner Firmenforum statt. Über 70 Gäste, drei, respektive vier Referenten und ein Moderator, alle aus der Wirtschaft der Domstadt Paderborn, waren die Teilnehmer. Das Ehepaar Michel fungierte auch dieses Mal als Gastgeber und lud an diesem Abend in ihr ‚Michel’s Café im Fachwerkhaus‘ ein.

„Stärkung im Wettbewerb durch Stärkung des Standortes“, so lautet das Motto unter dem sich 1997 fünf Unternehmer (in persona Dr. Hans-Joachim Herbermann, Ulrich Mettenmeier, Eckhard Möhring, Dr. Uwe Schmidt-Streier und Nikolaus Schwarzer), sowie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH verbündeten und das Paderborner Firmenforum initiierten. Seither ist es zur guten Sitte geworden, sich etwa sechs Mal im Jahr zu Veranstaltungen, wie der heutigen, zu treffen und aus zu tauschen.

Aller guten Dinge sind drei: Zum dritten Mal seit Gründung dieses Zirkels war Frau Michels Gastgeberin bei dem Treffen des Paderborner Firmenforums (die neunte, die 32zigste und die heutige, die 66zigste). Sie begrüßte die Teilnehmer in ihrem Café, einem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1868.

Über 70 Gäste folgten der Einladung zu diesem Abend. Die Referenten des Abends standen einem gleichermaßen kritischen, wie interessierten Publikum gegenüber. In gewohntem Auftritt, grauer Anzug und blaues Hemd und rote Krawatte und in gewohnter Art und Weise, einer Mischung aus Improvisation und Souveränität moderierte Dr. Herbermann diesen Abend. Stets hatte er drei Fragen an den jeweiligen Referenten in petto, sollte nach einen Vortrag mal keine Frage aus dem Publikum kommen. Doch an diesem Abend war jeder Programmpunkt ein Erfolg.

„Ein Unternehmerleben. Von der Gründung bis zu Nachfolge“

In guter Tradition hatte der Gastgeber das Eingangswort und wie Frau Michels ausdrücklich betonte:“…bitte Herr und Frau Michel. Mein Mann ist auch noch da…“ In einem Rückblick und auch einer kleinen Vorausschau erfuhren die Zuhörer, welche Unwägbarkeiten das Unternehmerehepaar meistern musste, im speziellen was es mit der Postkutsche auf sich hatte, und dass das Allgäu noch in Baden Württemberg liegt.

„Ausschnitte aus dem Leben und etwas für das Leben“

Unter dieser Überschrift vermittelte der Paderborner Umgangsformen-Trainer Martin Fryburg, Kopf der gleichnamigen Knigge-Akademie, Wissenswertes und erzählte von seinem beruflichen Schaffen. Wer ihn kennt, weiß sich auf ein überraschendes Entree zu freuen. Auf die Frage des Moderatoren, ob er richtig stehen würde, antwortete Martin Fryburg in gekonnt charmanter Weise:“ Wenn Sie das Sakko zuknöpfen würden, wäre alles korrekt.“ Das Publikum lachte beherzt, es folgte ein kurzes Wortspiel an dessen Ende der Moderator tat, was ihm empfohlen wurde. Womit auch schon gleich das Kernthema dieses Vortrages angesprochen wurde. Der Business-Knigge hat derart an Wichtigkeit gewonnen, dass er heute kategorisch getrennt vom Privat-Knigge behandelt werden muss. Was man sich heute, ungeachtet der Benimmregeln im Geschäftsleben erlaubt, kann Aufträge verhindern, wertvolle Mitarbeiter verprellen, Respekt entziehen und Türen verschließen. Bedauerlicher Weise wird der geschäftlichen Lebensart eher in Bezug auf Gleichgültigkeit, Hektik und hier und da auch eine Spur von Überheblichkeit Aufmerksamkeit und Pflege gezollt, denn dem wertschätzenden Umgang mit dem Gegenüber. Diese Auffassung in das rechte Licht zu rücken, dieser Aufgabe hat sich Martin Fryburg angenommen.“Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen.“

„Bleiben Sie im Gespräch! Mit Dialogmarketing am Leben teilnehmen“

Diese Überschrift wählte das Trio Verena Anke, Daniel Kröger und Ellen Brockmeier von der Werbeagentur medrias. Frau Anke und Herr Kröger übernahmen bei dieser Präsentation den Part der verbalen Kommunikation, Frau Brockmeier den der visuellen Kommunikation. Dialogmarketing, was steckt eigentlich dahinter? Nun, erst einmal nichts anderes als der Kontakt zu dem Kunden und mit dem Kunden. Dabei ist es das Ziel des Dialogmarketings aussagefähige Daten beispielsweise von der avisierten Käuferschicht zu erhalten, um diese an den Auftraggeber, beispielsweise einen Hersteller von Weingummi weiter zu leiten, da dieser daraus folgend optimal seine Produktionskapazitäten, beziehungsweise Vertriebsaktivitäten und Marketing-/ Werbemaßnahmen steuern kann. Spannend wird es, wenn die Frage nach dem ‚Wie?‘ beantwortet werden soll. Eine Antwort dazu gab es an diesem Abend nicht. Dialogmarketing…ein interessantes Instrument der Marketer, um Bedürfnisse und Bedarf von Zielgruppen zu ermitteln und Unternehmen um optimal (re)agieren zu können.

 „Stickgeschichten, die das Leben schreibt!“

Jutta Landwehr-Jordan hatte die Ehre des dritten, Frau Michel würde jetzt einwerfen:“ Nein, des vierten!“, Vortrages. Ursprünglich wollte sie in Ihrem erlernten Beruf, dem der Elektronikerin, Ihren Weg gehen. Nachdem vor über 20 Jahre ihr viertes Kind geboren wurde, wechselte sie jedoch das Metier und eröffnete ein Geschäft für Meterwaren (Stoffballen), gab ihm den Namen ‚Pfiffikus‘ und beantwortete mit ihrem Angebot eine große Nachfrage. Der Einzug des Internets setzte ihrem Geschäftsdrang jedoch ein Ende. Die digitalen Medien eröffneten eine ganz neue Marktransparenz und ihr Geschäft in der ursprünglichen Konstellation avancierte mehr und mehr zu einem Beratungsunternehmen. Nachhaltiges Wirtschaften nach dem ökonomischen Prinzip war da nicht mehr möglich. Kurzum begann Frau Landwehr-Jordan sich zu restrukturieren, es erfolgte ein Umzug und mit ihm auch die Wahl auf ein neues Geschäftsfeld: Die Bestickerei. In dem heutigen Pfiffikus wird alles bestickt, durch das, wie die Inhaberin sagt eine Nadel geht. Mittlerweile hat sie ihr Sortiment wieder erweitert: Meterwaren gehören wieder zu ihrem Geschäft, erweitert um Artikel aus dem Deko-, Hunde- und Pferdebedarf…und einen Internetshop hat sie jetzt auch. „Der König ist tot es lebe der König.“

Alles in allem war es ein gelungener Abend, dieses 66. Treffen des Paderborner Wirtschaftsforums. Die Gäste waren gut gelaunt, die Moderation gekonnt und die Beiträge so kurzweilig, wie interessant. Als besonders erfrischend empfand ich die nonchalante ‚Note‘ des Martin Fryburg gegenüber dem Moderatoren Dr. Herbermann. Für Martin Fryburg war dies nur der Einstieg, um anschließend über den Sinn und Zweck des richtigen Benehmens zu sinnieren. Für mich war dieser Vortrag, der Favorit des Abends.